Mittwoch, 16. Juli 2014

Zu krank fürs Studium

Meine Mutter will, dass ich noch nicht studiere, sie sagt ich soll mich noch von der Klinik erholen, weil sie findet, dass ich noch nicht ganz gesund bin. Ich will Chemie studieren. Ich wollte ja immer Arzt werden, oder Forensik studieren, aber Forensik kann man nur im Ausland studieren und Medizin ist mir irgendwie zu viel. Ich interessiere mich für Biologie und Chemie und habe mich für ein Chemie Studium entschieden. Darüber hatte ich vor kurzem mit meiner Mutter gesprochen. Ich glaube sie ist ein bisschen enttäuscht darüber, dass ich nicht Humanmedizin studiere, aber darüber hinaus ist sie der Ansicht, dass ich sowieso zu krank bin, um irgendwas zu studieren. Wie stellt sie sich das vor? Soll ich mein Leben lang in meinem WG-Zimmer hocken und warten, dass alles gut wird? Soll ich für immer als Kellner arbeiten? Ich hasse die Arbeit, ich mache sie nur, um mein Zimmer zu finanzieren. Sie war aber auch von Anfang an dagegen, dass ich überhaupt ausziehe, aber die Klinik hat mich immer darin unterstützt und sie haben mir auch dabei geholfen, dass ich den Schritt gehen kann. Sie haben zu mir gesagt, dass es sogar ohne meinen Wunsch notwendig gewesen wäre, damit ich Abstand zu ihr bekomme. Mir tut der Abstand gut. Ich merke das immer wieder, besonders wenn ich sie wieder besuche. Sie hat im Grunde genommen nichts anderes getan, als mir mein Studium auszureden. Ich kann ihre Sorgen verstehen, weil ich wieder abgenommen habe und es wäre gelogen wenn ich sagen würde, dass ich das unter Kontrolle habe, aber ich hungere nicht. Ich esse und ich gebe mir Mühe und sie soll das endlich mal sehen. Ich esse nur damit ich endlich studieren kann, ich will das schon so lange. Sie findet immer einen Grund. Erst war ich zu jung, dann war ich zu dünn und krank, jetzt bin ich ihr immer noch zu krank. Ich weiß nicht, ob sie jemals zufrieden wäre.

Abgesehen davon hatte ich gestern einen schönen Tag. Ich habe seit langer Zeit mal wieder was mit einem alten Freund unternommen. Seit dem ich in der Klinik war mache ich eher nichts mit Freunden. Davor hatte ich auch sehr wenig Zeit wegen meinem FSJ und in der Klinik hatte ich gar keinen Kontakt zu ihnen, außer meiner besten Freundin.

Die Mädchen mit denen ich zusammen wohne heißen Gina und Laura. Das sind die beiden Menschen, die mir gerade am nahesten stehen, ausgenommen meiner besten Freundin.
Ich war mal mit Gina in einer Klasse. Als ich vor ein paar Monaten beschlossen habe auszuziehen habe ich bei Facebook gefragt wer eine WG sucht, oder ob jemand weiß, wo ein Zimmer frei ist. Ich hatte das kaum 5 Minuten drin, da hat Gina mich schon angeschrieben und gesagt, dass sie mit einer Freundin noch eine dritte Person sucht, weil sie die Wohnung sonst nicht bezahlen können. Und tadaaa die WG wurde gegründet.
Laura kannte ich gar nicht, aber ich mochte sie von Anfang an. Ich hatte ein bisschen Angst davor sie kennenzulernen, weil ich mir überlegt habe was passiert, wenn wir uns gar nicht verstehen und dann müsste ich die Suche nochmal von Vorne beginnen. Und sie kam mir auch sehr arrogant rüber auf den ersten Blick, aber das sah Gott sei dank nur danach aus. Ich habe eigentlich keine Vorurteile, aber um manche Leute mache ich trotzdem am liebsten einen Bogen. Ich wollte auch, dass sie mich wirklich mag, schließlich müssen wir alle drei zusammen leben, aber es läuft echt super und viel besser als erwartet, obwohl ich sowieso wusste, dass es mit Gina super wird.

Kommentare:

  1. Hallo Junes.
    Traurig zu lesen, dass deine Mutter wirklich immer etwas findet, dass "falsch" ist.Und auch, dass sie deine Fortschritte nicht sehen und anerkennen kann. Selbst wenn sie noch so klein sind, finde ich, dass man sich beachten sollte.
    Schade, dass sie dir diesen Entschluss ausreden will. Ok, ich denke, sie meint es nur gut und sorgt sich, aber wenn du weiter in der WG lebst und nur einfach abwartest, diesen Job machst, den du nicht magst... wie soll man denn da gesund werden und auf bessere Gedanken kommen? Außenstehende können sich das meistens nicht vorstellen, sich nicht hineinversetzen. Das Chemie Studium würde dir ja sicher eher gut tun, etwas zu machen, woran man Freude hat, ist immer gut. Ich denke zwar, dass es ein harter Studiengang ist, aber wenn man sich dahinterklemmt und es gern macht, dann wird es schon laufen.

    Ich finde es cool, dass du deine eigenen Vorstellungen hast. Du solltest sie auch umsetzen :) Mit dem Auszug hattest du ja wohl auch Recht, wenn ich das so lese. Schön, dass ihr euch versteht. Lass dir da von deiner Mutter nicht reinreden.
    Ich hab ja selbst auch ein eher mieses Verhältnis zu meiner Mutter. Mir hat es auch gut getan, auszuziehen und ich habe es keinen Tag bereut. Und auch sonst lasse ich sie an Entscheidungen nicht mehr teilhaben, da sie selten in meinem Sinne entscheiden würde.

    Ich wünsche dir einen schönen Tag. LG Norma.

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  2. Hallo Junes,

    normalerweise lese ich still mit - aber man kann ja auch mal seinen Senf dazu geben :D

    Erstmal finde ich schoen zu lesen, wie gut es dir scheinbar in deiner WG gefaellt & auch, dass du dich mal wieder mit Freunden triffst ist nur positiv.

    Was das Studium angeht kann ich natuerlich deine momentane psychische/koerperliche Verfassung nicht 100 %ig bewerten aber: was kann denn passieren, außer dass du das Semester nicht /nicht so gut schaffst & es im schlimmsten Fall wiederholen musst.
    Ich finde es wichtig, gerade nach der Klinikzeit, neue Wege zu gehen & dazu gehoert auch, in den Alltag zurueckzufinden der außerhalb des Tellers & der Arbeit an sich selbst stattfindet.
    Ein Studium bringt dir neue Kontakte, neue Aufgaben an denen du wachsen kannst. Das Gefuehl, dass du etwas fuer dein Leben & deine Zukunft tust.
    Ich wuerde den Versuch Studium auf jeden Fall machen & ich bin mir sicher, dass du dem auch gewachsen bist!

    Was ich mich frage ist wieso es dir (so scheint es) so wichtig ist, was deine Mama von der ganzen Sache haelt. Du bist ein erwachsener Mensch & die Magersucht entmaechtigt dich doch nicht, eigene Entscheidungen zu treffen.

    Ich wuensche dir alles Gute!

    Aymee, die lieber wegen ihrer eigenen Entscheidungen auf die Schnauze faellt, als Dinge zu verpassen, nur weil sie anderen nicht gefallen :)

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    1. Das kann ich verstehen, ich bin eigentlich auch ein Harmoniesuchender Mensch, aber irgendwann habe ich gesehen, dass es mein Umfeld nicht interessiert, wenn ich zurueckstecke damit sie etwas davon haben. Seitdem tu ich oefter mal was ich will ;)
      Ich denke nicht, dass du deine Mutter enttaeuscht, wenn du das Studium wagst, sicherlich macht sie sich einfach Sorgen & will sichergehen, dass du 100%ig gesund bist - was, wie du schon sagtest eher schwierig ist.

      Also ich war damals ja in der Klinik wegen Borderline bzw. SVV aber wirklich geholfen hat es nicht. Die Medikamente nehme ich jetz ueber 7 Jahre, trotzdem verletze ich mich noch, raste unangebracht aus & habe wochenlange Depressionen. Dazu kam die Essstoerung. Die ersten beiden Aufenthalt in der Klinik (Jugendpsychiatrie) haben es direkt danach nur verschlimmert, da mich die Betreuer hassten. Ich bin letztendlich geflogen, weil ich eine Betreuerin mit einem Geschirr beschmiss. (sie meinte, dass es mir Spaß macht am Tisch zu heulen!...Ne, ist klar!)

      Uund...verheiratet in ich seit dem 4. Juli - also sueße 2 Wochen hihi

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  3. Hey Junes,
    Ich kam Damals Anfang September aus der Klinik, dort hat keiner was von dem eigentlichen Essproblem wissen wollen und damit kam ich mit bis dahin tiefstem Gewicht raus. Hauptsache heiteter werden und nicht kotzen (Diagnose Depression und Bulimie).
    Im Oktober habe ich angefangen zu studieren. Prognose der Klinik: Das wirst du nicht schaffen!
    Aber mir war es wichtig, es war mein Traum und gut, eine Aufgabe zu haben.
    Anfangs hatte ich noch Therapie, aber dort wurde das Studium einbezogen (sozial Ängste, mangelndes Selbstbewusstsein,...) und fertig war ich schneller als meine Kommilitonen.
    Kurz: Mach, was du willst und so, wie du dich fühlst. Das ist auch richtig!

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